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stärkt die Rechte von Schmerzpatienten:
Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik
behandelt zu werden, er
muß
also nicht
irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren
sondern kann unter Hinweis auf das Urteil
gleich Widerspruch einlegen.
Hier
gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die
Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile
rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu:
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
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Armschmerzen:
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Brustwirbelsäulensyndrom:
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Brennende Füße:
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Durchblutungsstörung:
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Dorsalgie:
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Informationen über
Schmerzerkrankungen

ZEPHALGIEN
kombinierte
Zephalgien
Teil I
Die internationale
Kopfschmerzgesellschaft definiert 176 verschiedene Zephalgien, jedoch können 90%
aller Kop fschmerz
en zwei Formen zugeordnet
werden, der
Migräne und den
Spannungskopfschmerzen.
Der Begriff "Zephalgien",
oft auch mit c geschrieben (Cep
halgien)
setzt sich aus den Wortteilen c(z)ephal (= Kop
f) und algi bzw. Mehrzahl
algien (= Schmerzhaftigkeit) zusammen, also ein Synonym
(= andere
Bezeichnung mit gleicher Bedeutung)
für Kop
fschmerzen.
Systematik
(= Einteilung)
der verschiedenen Zephalgien:
1.
Primäre Zephalgien:
Dieser Begriff bezeichnet
Zephalgien, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder
psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige
Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zu symptomatischen
(= als Folge einer
bekannten Krankheit auftretender) Zephalgien nicht kausal
(= ursächlich, gegen die Grundkrankheit
gerichtet) behandelt
werden können (Soyka 1989).
1.1 M
igräne:
Bei der
Mig
räne
räne tritt in typischer Weise ein anfallsartiger, bevorzugt halbseitiger Kop fschmerz (Hemikranie)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Ner
ven- und Sehstörungen kommen.
Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd
angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung)
sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988
gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Migräne mit und ohne Aura. Die
frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Mig
räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig räne -Typen (IHS-codierte
Klassifikation ) sind:
|
-
M
igräne
ohne Aura |
|
-
M
igräne
mit Aura |
|
-
M
igräne
mit typischer Aura |
|
-
M
igräne
mit prolongierter Aura |
|
-
Familiäre hemiplegische Aura |
|
-
Basilarismigräne |
|
-
Migräneaura ohne Kop
fschmerz |
|
-
M
igräne
mit akutem Aurabeginn |
|
-
Ophthalmoplegische
M
igräne |
|
-
Retinale
M
igräne |
|
-
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer
M
igräne |
|
-
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
-
Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
-
Migränekomplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infarkt |
|
-
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der
Migränekopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend
einige Erläuterungen folgen:
- Als typische Anfangssymptome einer
Mig
räne (Aura) gelten Sehstörungen, (halbseitige) sensible und
motorische (=
Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
- Eine
Mig
räne mit prolongierter
(=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten
und weniger als eine Woche anhält.
- Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbsei
tenlähmung
einhergehenden)
Mig
räne besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche
Krankheitszeichen.
- Bei der
Basilaris-Migräne
geht der Kop
fschmerz mit Krankheitszeichen des Gehirns
einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen, sensible oder motorische
Störungen, Schwindel).
- Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob der Kop
fschmerz bei der ophthalmoplegische Mig
räne (Schmerza
ttacken, der mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergeht)
überhaupt der Mig räne zugeordnet werden
können.
- Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit
(anfallsartiger Schwindel und abwechselnde Halbseiten
lähmung, in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder
Beweglichkeit sowie vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese
Erscheinungen epileptiformer
(= fallsuchtartiger) Natur).
- Bei der "kindlichen
Mig räne" können auch Ba
uchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu
Erbrechen auftreten, gelegentlich auch ein Temperaturanstieg, ohne daß ein
Kop
fschmerz vorliegt.
- Bei der retinalen
Mig räne ist der Kop
fschmerz von einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar
Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde anhalten kann.
- Als Migränekomplikation ist der Status migraenosus zu
nennen, gekennzeichnet durch eine Kop fschmerz-
Dauer von mehr als 72 Stunden, trotz Behand lung.
- Eine weitere Komplikation ist der migränöse Infa
rkt.
Dieser liegt vor, wenn ein ischäm
ischer
(= durch Blutmangel bedingter)
Infa rkt nachweisbar ist, oder die
Aurasymptomatik
(= anfängliche Krankheitszeichen einer Mig
räne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Behand
lung bei Mig
räne:
Zunächst muß der Patient eingehend
über die Mig
ränekopfschmerzerkrankung aufgeklärt und über
die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch
(= aus der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Behand
lung des akuten Mig
ränekopfschmerzanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst frühzeitig
einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das Vollbild des
Mig
ränekopfschmerz
es eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den
ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die
Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B. Aspirinâ
) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen den Mig
ränekopfschmerz ebenso wirksam wie ASS
bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Bewährt hat sich bei einem
stärkeren Mig
ränekopfschmerz auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch
ein Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ)
ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum beim Mig
ränekopfschmerz ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (z.B. Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder
6mg unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kop fschmerz
en maximal zwei Verabreichungen in 24
Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den
Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere
Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Mig
ränemittel nicht den gewünschten Erfolg
bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane, z.T. auch als (Nase n-) Spray zum schnelleren
Wirkungseintritt: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®,
als Formigran® rezeptfrei), Rizatriptan (Maxalt®),
Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und Eletriptan (Relpax®).
Zur Behandlung der hemiplegischen, ophthalmoplegischen oder
Basilarismigräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate
sind klassische Pharmaka zur Kupierung eines Migräneanfalls, wegen der möglichen
Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und
Auslösung eines zusätzlichen Dauerkopfschmerzes steigt mit zunehmender
Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche nicht mehr als 6mg
Ergotamintartrat und pro Migränea t
tacke nicht mehr als 4mg eingenommen
werden (Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim Mig
ränekopfschmerz die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat
mit Koffein oder Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden
werden soll. Auf dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den
Mus
kel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen Migränebegleiterscheinungen hat sich die
zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzm
ittel einzusparen, zumal die Patienten in
dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Wird der Mig
ränekopfschmerz von Nausea
(= Übelkeit, Brechreiz)
und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser
Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr
wirksam, zum Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg.
Metoclopramid sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist
vorteilhaft, diese Substanz vor einem Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (=
Aufnahme im Da
r
m) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Mig
räne die Verabreichung einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®)
kombiniert mit 10mg Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr bewährt, bei heftigen Schmerzen
zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die therapeutische Lokalanästhesie
(=
Betäubung bzw. Behan
dlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist im bereits voll entwickelten akuten Kop fschmerzan
fall wenig hilfreich. Allerdings kann bei
frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen Fällen abgeschwächt werden,
so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel) gar nicht
oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit
Bupivacain 0,5% die Ner
ven supraorbitales
(= Ner
ven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Ner
ven
am Hinterkop
f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl der Mig
ränekopfschmerz meist nur
einseitig auftritt, hat es sich bewährt, diese Behand lung nicht nur auf
die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn ein heftiger Mig
ränekopfschmerz gehäuft (mehrmals pro
Woche) auftritt, sind im Rahmen einer stationären Behand
lung schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet der Kop
fschmerz in einen Status mig
raenosus (= länger als 72h anhaltender Migränean
fall) aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige) zur
stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im Mig
ränekopfschmerzan
fall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges
und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende) Behand
lung bei Mig
ränekopfschmerz:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine Mig
ränekopfschmerz -Vor
beugung sollte nur dann erfolgen, wenn
die Mig
räneat
tacken mindestens zwei mal pro Monat
auftreten. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation auch
gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status mig
raenosus,
eine prolongierte (= verlängerte) Aura oder einmalig ein mig ränöser Infa
rkt
(= Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von
Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig
räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räne. Relativ sicher wirken
Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen werden langsam
einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®)
beträgt 200mg, für Propanolol (z.B. Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht
tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls)
muß die Behand lung abgebrochen
werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher regelmäßige Puls-
und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der Beta-Blocker
in Bezug auf den Mig
ränekopfschmerz ist noch nicht sicher
bekannt.
Zur Intervalltherapie bei Mig
ränekopfschmerz eignen sich auch
Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium
entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®)
sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten
eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren Mig
räne-Kop fschmerz -An
fällen leiden und bei denen eine Behand
lung mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt) ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat
sich Cyclandelat (Natil®) zur Prop
hylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) bei Mig
ränekopfschmerz besteht in der
Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der
Mig räne.
Lisurid (Cuvalit®), ein Ergota
min -Derivat, ist ein Serotonin
-Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen
Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum verwendet, da
bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur Prop
hylaxe der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
Mig
räne soll
Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen,
vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vor
beugung des Mig
ränekopfschmerzes umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen
Ländern dafür nicht verwendet.
Zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
soll auch das Antikonvulsivum
(= Mittel gegen die Fallsucht)
Gabapentin (z.B. Neurontin®) eingesetzt werden können. Zur
vorbeugenden
Migränebehandlung
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mittel gegen die Fallsucht)
Topiramat (Topamax®)
zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen angewendet werden
und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt)
ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Mig
räne mit Aura auch die regelmäßige Zufuhr von Folsäure
geeignet sein.
Wenn die An
fälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche)
auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen,
ist nach unserer Erfahrung auch die therapeutische Lokalanästhesie
(=
Betäubung bzw. Behan
dlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leeser et Hefermann,
Schmerzklinik Bad Mergentheim
1990). Dabei betäuben wir, wie zur
Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel) versorgenden Ner
ven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt
wird die Behand lung durch tiefe
Infiltration der oft verspannten, an die Halswir
belsäule angrenzenden Mus
kulatur.
Die Wirkungsweise dieser Behand lung ist beim Mig
ränekopfschmerz nicht geklärt, vermutlich
kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden
zur Mig
ränekopfschmerz-Behand
lung:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behan
dlung)
ist die Wirkung in der Mig
räne -Behand
lung in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur sind Zephalgien. Zur Behand
lung des Mig
ränekopfschmerzes dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian,
so z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte
der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß
auch für die Behand
lung des Mig
ränekopfschmerzes mit Akupunktur (noch) keine wissenschaftlich exakten
Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann beim Mig
ränekopfschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer At
tacke durchgeführt wird, durchaus eine
Linderung der Beschwerden herbeiführen, manchmal sogar den Ausbruch einer At
tacke verhindern.
Bei vielen Mig
räne-Patienten fällt auf, daß auch im
schmerzfreien Intervall die an die Halswir
belsäule angrenzende Mus
kulatur, teilweise auch die
Schultermuskulatur verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von
physikalischen Therapiemaßnahmen (z.B. Fango, Kältebehandlung) und
Krankengymnastik als ergänzende Behand
lung bewährt. Manchmal kann bei Mig
räne auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche Linderung
erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei Mig
räne auch die Hydrotherapie in
Form von Wechselbädern der Ext
remitäten
(Ar
me und B
eine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei Mig
räne auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können einen Mig
ränekopfschmerz lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß- und
Schmerzbewältigungstraining.
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www.zephalgien.de/zephalgien-1
(einfach anklicken)

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